Es ist frostig in diesen Wochen in Madrid, als würde das Wetter einen Vorgeschmack geben auf diesen Prozess, der heute in der unscheinbaren Calle Julian Camarillo beginnt. Inmitten gesichtsloser Bürohäuser steht das Gerichtsgebäude Juzgado Penal Nº 5. Dort kommt es zu einem Prozess, auf den die Sportwelt seit fast sieben Jahren wartet. Ein Prozess in einem Dopingskandal, der als der größte der Sportgeschichte bezeichnet wird – und der am Ende doch nicht viel hergeben könnte.

Im Mai 2006 deckte die spanische Polizei Guardia Civil durch die Operación Puerto ein Dopingnetzwerk auf, fand Blutbeutel, EPO, Wachstumshormone, Steroide. Doktor Eufemiano Fuentes, eigentlich Frauenarzt, soll damit weltweit mehr als 200 Spitzensportler gedopt haben. Bekannt sind bisher aber nur an die 60 Radsportler.

Eduardo Esteban ist der zuständige Oberstaatsanwalt für das Verfahren gegen Fuentes. Angeklagt sind auch seine Schwester Yolanda sowie Manolo Saiz und José Labarta, die früheren Chefs der Radsportteams Liberty Seguros und Comunidad Valencia. So kurz vor dem Prozess möchte Esteban eigentlich nicht mehr viel sagen. Und sagt dann doch scherzhaft, dass man zunächst einmal vom Prozess erwarten könne, “dass er jetzt endlich beginnt, nach knapp sieben Jahren. Die spanische Justiz ist nicht schnell, aber so lange hätte es natürlich nicht unbedingt dauern müssen.”

Weil es in Spanien kein Anti-Doping-Gesetz gab, wurde das Verfahren immer wieder eingestellt. Angeklagt sind die vier jetzt wegen der Gefährdung der öffentlichen Gesundheit. Die Staatsanwaltschaft stellt vor allem die Hygiene bei den Bluttransfusionen in Frage – eher ein juristischer Notbehelf: “Es geht hier nicht um die Sauberkeit des spanischen Sports oder des Sports generell”, sagt Esteban. “Die müssen schon andere untersuchen, der Sport selbst oder die Medien, nicht aber die Justiz.”

“Radsport nicht der einzige Sport, in dem gedopt wird”

Aber das wird sehr schwer werden, denn in den 7700 Seiten der Operación Puerto werden offensichtlich nur Radsportler als Kunden von Fuentes genannt, auch wenn es seit 2006 Hinweise auf andere Sportarten gibt. Er glaube, so Esteban, dass die Guardia Civil alle Beweise, die sie hatte, ins Verfahren eingebracht hat. “Und sie sagt ja auch nicht, dass es keine anderen Sportler bei Fuentes gab. In ihrem Bericht stehen aber eben nur die, die sie eindeutig identifizieren konnte, Radsportler eben. Und ich weiß nicht, ob es auch andere Kunden gab.”

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